Himmel und Hölle.

Lang, lang ists her, dass ich meinen letzten Artikel verfasst habe. Da saß ich noch in alter Umgebung zwischen Umzugskartons und dem umzugsbedingten Chaos. Nun haben wir diesen Akt hinter uns und was soll ich sagen: Es war unsagbar anstrengend.

Aber es ist für Eltern selten Zeit sich zu erholen. Nicht mit Kindern, denn die „fressen einen manchmal auf“.

Heute haben wir den ganzen Tag „Kinderprogramm“ gemacht. Der eine war auf einen Kindergeburtstag in einer Indoorhalle eingeladen und da wir die Eltern auch gerne mögen und dem Zweijährigen diesen Spaß nicht vorenthalten wollten sind wir mit da hin. Jemand der noch nie eine Indoorhalle betreten hat, weiß nicht, wovon ich rede; alle anderen wissen: Es ist Himmel und Hölle zugleich. Himmel für die Kids, Hölle für die Eltern. Oder zumindest Anstrengung par excellence.

Das ist aber alles noch nicht mein Problem. Ich bin extrems abgenervt, weil die Gören nun nach so einem Tag nicht schlafen wollen und uns keine Pause gönnen. Sie fordern, und fordern, und fordern, … Nein, sie bleiben auch nicht alleine in ihrem Zimmer und spielen da für sich. Was soll ich tun? Sie festketten, in den Schrank sperren, schlagen? Ich will mal alleine sein, oder mit meinem Mann. Geradeaus reden, denken, zur Ruhe kommen.

Aber, nix zu machen. Ich genervt. Mann genervt. Kids genervt.

Na,dann „Gute Nacht“.

Von A wie Aufmerksamkeit bis Z wie Zuwendung

Ich hab momentan aus Zeitmangel nix beizutragen, aber über eine nette Freundin habe ich dieses hier gefunden. Wirklich nett: Das ABC für Eltern, von Kinderpsychiater und Schriftsteller Paulus Hochgatterer.

Ein Auszug:

(…)

C
Eltern, die immer noch meinen, der Computer sei vor allem ein süchtig machender Krankheitserreger, sollte man fragen, warum sie ihren Kindern so wenig Realitätssinn zutrauen. (…)

http://derstandard.at/1353207324744/Der-Job-von-Eltern

Morgenstund hat Trödelpotenzial.

Man neigt ja dazu sich zu rechtfertigen, wenn man sich am Morgen freut, die Kinder in die Betreuungseinrichtung bringen zu können, um dann in Ruhe zu arbeiten, oder Dinge zu erledigen.

Deshalb sage ich es hier nochmal ganz bewusst und quasi in der Öffentlichkeit: Nein, ich schäme mich nicht zu sagen, dass ich auch mal froh bin, ohne die Kinder um mich herum. Ich genieße die Ruhe, das „Geradeausdenken“, das Alleinesein.

Und ich bin mir sicher, dass die Kids die Ruhe vor mir auch mal genießen. Denn es stoßen ja häufig unterschiedliche Interessen und Gemütszustände aufeinander. Gerade am Morgen, bevor es losgeht. Ich will frühstücken, die Kinder wollen aber noch spielen. Ich will ins Bad, mit ihnen Zähne putzen, sie wollen lesen. Ich habe es eilig, da ich ja die fortgeschrittene Uhrzeit kenne, die beiden Jungs sind dagegen vogelfrei und starten eine neue Runde „Löwe spielen“. Meine Bitten, sie mögen doch ins Bad kommen, Zähne putzen, sich anziehen, etc. prallen an der Spielfront ab. Darauf ein fordernderer Tonfall meinerseits, der aber auch ungeachtet bleibt. Denn wenn sie mal in ein Spiel vertieft sind und nicht gerade streiten, ist da auch kaum was zu machen. Nun folgt mein Drohgebärde: „Ich nehme Euch auch im Schlafanzug mit, ….“ „Ich fahre jetzt. Auch ohne Euch.“ “ Du kannst Dir die Zähne alleine putzen. Meine Geduld ist am Ende.“ …

Ist sie aber nicht. Denn sie darf es nicht sein. Ich habe ja nunmal das Anliegen, dass es hier voran geht. Also muss ich mich ins Zeug legen. Irgendwann sind die Beiden dann mein Genörgel leid und kommen. Unter Gezeter und Geschimpfe helfe ich Ihnen beim Beeilen, was ihnen gar nicht liegt.

Wenn wir dann endlich auf dem Weg sind, vertragen wir uns wieder und jeder macht in seinem Tempo weiter: Ich schnell, die Beiden langsam. Wenn wir am Kindergarten angekommen sind, sind beide Parteien glücklich ihrer Wege zu gehen, ich an den Rechner, die Jungs in ihre Gruppe.

Puh. Endlich.

Und später freuen wir uns auf ein Wiedersehen. Dann alle im Slow motion Modus und entspannt vereint.

Auf Intensiv.

Die 13-jährige fragt uns manchmal, wenn wir uns mal wieder sehr genervt zeigen, vom Elternjob: „Warum habt ihr überhaupt Kinder, wenn Euch doch alles so anstrengend ist und ihr immer so genervt seid …?“ Wenn man die letzten Beiträge liest, findet man diese Frage nicht unberechtigt.

Nun. Da habe ich für mich eine sehr einfache Antwort gefunden: Ich hatte selten vorher so intensive Glücksmomente wie mit meinen Kindern. Ja, und es ist richtig, auch die verzweifelten Momente sind sehr intensiv. Es liegt eben alles so eng beieinander und kommt manchmal sehr gehäuft, die phantastischen Erlebnisse, aber auch die unglaublich anstrengenden, ungeliebten.

Das wahsinns Glücks-Erlebnis der Geburt, versus den nervenaufreibenden Tobsuchtsanfällen eines 2-jährigen, gepaart mit denen einer 13-jährigen, gleichzeitig versteht sich, und natürlich für einen selbst völlig unvermittelt.

Verzweiflung, Ohnmacht und grenzenlose Freude liegen manchmal Sekunden voneinander entfernt. Das kriegt unsereins bisweilen gar nicht auf die Reihe. Und noch einen Servis bekommt man mit Kindern quasi frei Haus dazu: man lernt alle, aber auch wirklich alle seine Schwächen und schlechten Charaktereigenschaften kennen. Wenn man sich darauf einlässt und sich dem stellt (was bisweilen doch sehr schwer fällt, denn alles von sich will man doch gar nicht so genau wissen, oder sich eingestehen) hat man tolle Gelegenheiten einiges an sich zu verbessern.

Nun muss ich leider aufhören zu schreiben, denn hier bricht gerade wieder die Welt zusammen.

Wann ist das Maß voll?

Und wenn ja, was dann? Und überhaupt: Wessen Maß? Das der Kinder ist noch lange nicht voll, aber meins ist es um so mehr. Schwappt quasi schon über.

Heute bin ich maximal genervt. Ich bin ja gerne das, was ich bin: Mutter. Aber dies ist einer der Tage, an denen ich guten Gewissens sage, „Hach, wär ich doch nochmal alleine; so für einen Tag. Dann ist ja auch sicher wieder gut …“

Ich kann nicht sagen, dass heute soviel anderes passiert wäre, als an anderen Tagen. Aber an diesem Freitag hatte und habe ich nicht sonderlich viele Nerven, die ich ins Rennen werfen konnte, oder kann. Sind sozusagen für heute schon aufgebraucht. Leider verlangt der Umgang mit meinen Dreien aber immer noch etliche Nerven. Was macht man da, wenn man keine mehr hat? Ich für meinen Teil rege mich auf: über die Kinder, dann über mich, über den abwesenden Mann und über die ständigen Wiederholungen des Gesagten: “ Nein, es gibt jetzt keine Süßigkeiten, denn wir essen jetzt.“ „Bitte hol Dir doch vor dem Essen etwas zu Trinken und steh nicht ständig auf.“ „Bitte wirf die Autos nicht hier herum, da steht der Fernseher …“ und, der Klassiker: „Räum Dein Zimmer bitte so auf, dass Du nicht den Müll auf deinem Boden durch die ganze Wohnung trägst.“

Ich könnte jetzt so weiter machen, aber ich glaube, das sprengt den Rahmen. Was ich mich nur frage ist: Wann hört das auf? Ständig habe ich das Gefühl mich zu wiederholen. Wie ein Leierkasten muss ich oft das selbe sagen, wieder und wieder und wieder …dabei ist die Größte doch schon Dreizehn.

Nun muss ich die Kinder bettfertig machen. Und dann schlafen sie hoffentlich schnell und gut ein.  Ist auch eine Wiederholung. Aber eine schöne.

Sie sind zurückgekehrt.

Man könnte es als Teilkapitulation bezeichnen. Aber es musste sein. Denn wir empfinden zur Zeit Dauerbelastung, wir Eltern, jobmäßig und privat. Und so haben wir sie wieder reingelassen. Die zwei Jungs in unser Bett. Sie haben gewonnen, für diesmal. Bis wir wieder Kräfte gesammelt haben, sprich genug Schlaf abbekommen haben, werden sie die Nächte mit uns in einem Bett verbringen, wenn ihnen danach ist. Denn da schlafen sie wie die Babys, und das an einem Stück durch. Und wir dann auch. Um aber nicht wie die Ölsardinen liegen zu müssen ist das kleine Bett wieder an unseres rangestellt. Fühlt sich wie eine verlorene Schlacht an.

Ja. Und da höre ich sie schon wieder in meinem Kopf hallen. Die Stimmen derjenigen, die die große Konsequenz von jeher an junge Eltern herangetragen haben und stoisch ihren „Glauben“ verbreiten, in etwa „Du musst schon Dein Baby ganz früh daran gewöhnen alleine einzuschlafen. Dann hast Du für alle Zeiten Ruhe.“ Habe ich aber nie gemacht.

Und dann plagen mich mal wieder die Zweifel – typisch für Eltern in unserer Zeit, scheint mir – ob ich zu nachlässig bin, zu wenig Geduld und Ausdauer habe, zu bequem, zu faul und, und, und …

Aber hey, ich sag mal so: meine Kinder brauchen eine halbwegs ausgeglichene Mutter. Wenn ich nicht genug schlafe, weil ich ständig für nächtliche Kinderbelange aufstehe (und ja, diese Belange haben die meisten Kinder) müssen sie sich mit mir als fluchenden, zeternden, nervenschwachen Hausdrachen abgeben. Und das will ja keiner.

Somit: Es lebe das Familienbett und die Inkonsequenz.

Gute Nacht.

Kurze Anekdote aus dem Leben mit Kindern.

Aus der Reihe: 1000 Fragen, keine Antwort.

Vater und Sohn (4 Jahre alt) im Bad.

Sohn: „Papa, wo kommt denn das Wasser her?“

Vater antwortet: „Aus dem Meer.

Sohn überlegt kurz, zeigt auf den Wasserhahn: „Und warum kommen dann da keine Schiffe und Fische raus? Und keine Wellen?

Geduld ist eine Tugend, ist eine Tugend, ist eine …

Inne halten. Augen zu. Einatmen, ausatmen, tiiiieeeef einatmen und ausatmen. Augen wieder auf.

Besser?

Das hilft mir, wenn ich es nicht mehr aushalte, das Warten, das „Es anders haben wollen“,  die Streits, das Bitten und Betteln, das Unzufriedensein, und, und, und.

Meine Kinder haben meist einen anderen Umgang mit fast allem; ihren Gefühlen, ihrer Wut, ihrer Freude und ja, mit der Geduld. Ihre Fähigkeit geduldig zu sein geht nahezu gegen Null. Meine dagegen muss stetig ausgebaut werden. Die Entwicklung unserer Geduldskapazitäten laufen zur Zeit quasi diametral.

Dies erfordert einige Strategien zur Verbesserung und dem Ausbau der mütterlichen Ressourcen bezüglich ihrer Ausgeglichenheit und positiven Haltung zu sich und ihrer Lebenssituation. Denn nur dann kann sie in entsprechenden Situationen und drohendem Geduldsverlust trotzdem gelassen reagieren, oder zumindest gleichgültig, oder wenigstens trotzig.

Ich bin doch eher öfters ungehalten.Da hilft mir manchmal nur eins: „Fuck it!“

Es ist wirklich lustig, denn das sage ich mir dann ab und an laut. Lustig daran ist, dass ich  tatsächlich bei meinen Recherchen zu einem anderen Thema im Netz über ein Buch gestolpert bin. Es heißt: „Fuck it! Loslassen-Entspannen-Glücklich sein“, von John C. Parkin

Na, mit Tugenden hat „Fuck it!“ zwar nichts zu tun, ist aber unheimlich befreiend und entschärft manche angespannte Sitution.

Und das ist doch die Hauptsache.

Puuuh. Kurz Luft holen.

Noch eine viertel Stunde, dann ist die Fernsehzeit um. Jaaaaa … ich gehöre auch zu denjenigen, die ihre Kinder vor dem Fernseher „parken“, wenn sie mal wieder eine Auszeit brauchen. Halbe Stunde gestehe ich den Kids und mir zu, dann geht die „Glotze“ wieder aus und ich quasi wieder an.

In so eine halben Stunde versuche ich alles mögliche reinzustopfen, was liegen geblieben ist, unbedingt gemacht, nachgeschaut, oder sonstwas werden muss. Oder aber ich hole einfach mal tief Luft und versuche gerade mal nichts zu sein von all dem, was ich sonst den ganzen Tag zu sein habe und natürlich auch sein möchte.

Heute habe ich in meinem „Zeitloch“ in Facebook reingeschaut und ein Bild von einer alten Bekannten mit ihrem Kind und dem einer lieben Freundin „from back in the days“ gesehen. Puuuh, wir alle mit Kindern … wir hatten ganz andere Zeiten, bevor die Kinder da waren. Da gab es auch noch ein „Ich“. Heute ist doch das „Wir“ dominant und ich auf der Suche nach mir selbst.

Aber bevor ich mir darüber zu sehr Gedanken machen ist die halbe Stunde auch schon rum.

Besser so.